40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU werden durch die Nutzung von Gebäuden verursacht. Knapp die Hälfte des gesamten Energieaufwandes während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes wird für die Errichtung verwendet. Mehr als 50 Prozent des gesamten LKW-Transports auf unseren Straßen werden durch das Bauen induziert. Etwa 60 Prozent des Abfallvolumens stammen vom Bau. Mehr als 90 Prozent unseres Lebens verbringen wir in Gebäuden.

Diese Zahlen zeigen, dass jeder mit der Entscheidung, wie er wohnt, Einfluss auf die Umweltauswirkungen und auch seine (Wohn-) Gesundheit nimmt und nehmen kann. Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, Bauprodukten aus der Region oder die bewusste Wahl von Baustoffqualitäten entscheiden über den ökologischen Fußabdruck, den wir durch das Bauen hinterlassen.

Wohin geht die Entwicklung?

Im Zusammenhang mit der Energieeffizienz von Gebäuden sind wichtige Schritte durch die Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD eingeleitet. Bis 2020 sollen in der EU nur noch „Fast-Null-Energie-Gebäude“ errichtet werden. Solche Gebäude sind sparsam im Verbrauch und den Restbedarf an Energie können sie selbst herstellen. Dies ist keine Zukunftsmusik, sondern funktioniert in Österreich bereits heute.

Trotzdem fehlt noch Wesentliches!

Im Bereich der Energieeffizienz ist also ein wichtiger und ambitionierter Weg eingeschlagen. Zum Thema Umweltverträglichkeit und Gesundheit sieht es nicht ganz so gut aus. Wir bauen immer mehr mit synthetischen Materialien und Chemikalien. Immer mehr Verbundstoffe werden eingesetzt, die in der Herstellung und vor allem am Ende des Gebäudelebens Probleme bereiten. Aber auch während der Nutzung macht die eingesetzte Chemie Probleme.

Es ist davon auszugehen, dass mehr als 10 Prozent der Gebäude zu hohe Schadstoffbelastungen in der Raumluft aufweisen. Mindestens 15 bis 20 Prozent der Wohnungen haben ein Schimmelproblem. Immer mehr Menschen klagen über Allergien und Beschwerden, die im Zusammenhang mit Belastungen in Wohnräumen stehen.

Die Erfahrung zeigt, dass praktisch jede Bauepoche ihre typischen Probleme hat. Historische Gebäude sind des Öfteren mit Schwermetallen in Farben oder Blei in den Wasserleitungen belastet. In späteren Gebäuden kam Asbest und Teer dazu. Weichmacher in Verfugungen oder gefährliche Chemikalien in Elektroinstallationen wurden vor allem in den 60er- und 70er-Jahren verbaut. Durch die Industrialisierung des Bauens in diesen Jahren wurde generell der Chemieeinsatz immer intensiver.

Wenn vor 100 Jahren typischerweise 10 bis 15 unterschiedliche Baustoffe für die Errichtung eines Gebäudes eingesetzt wurden, so sind es heute zwischen 400 und 600! Die Angelegenheit Bauen wird also zunehmend kompliziert.

Trotz Gesetzen werden immer noch Schadstoffe eingebaut

Bemerkenswert ist, dass auch heute noch Chemikalien eingesetzt werden dürfen, von denen bekannt ist, dass diese während der Nutzungsphase Schadstoffe frei setzen. Um dem zu begegnen, wurde in einem von Wien bis Vorarlberg überspannenden Projekt eine Plattform eingerichtet, mit der es möglich ist, ökologische Bauprodukte (rechtskonform) auszuschreiben und auch passende Produkte zu finden (www.baubook.at/oea). Diese Datenbank ist frei und kostenlos zugänglich. Neben wertvollen Informationen zum Produkt und dessen Anwendung findet man auf der Plattform natürlich auch den Hersteller oder den Händler in der Nähe.

Nachweislich weniger Schadstoffe in der Raumluft

Ein Vergleich der Raumluft von Gebäuden, die konsequent ökologisch qualitätsgesicherte Baustoffe einsetzen mit Objekten, die auf Standardprodukte setzen, zeigt, dass es möglich ist, die Schadstoffkonzentration in der Raumluft nach der Fertigstellung um mehr als 90 Prozent zu reduzieren. Ein Unterschied, den man auch riechen kann.

Am Thema dran bleiben

In Anbetracht der Tatsache, dass Gebäude unsere dritte Haut sind, in denen wir mindestens 90 Prozent unseres Lebens verbringen, ist ein kritischer Blick auf die Baustoffe, die uns umgeben und die Raumluft, die wir atmen, unbedingt stärker in den Fokus zu nehmen. Es geht beim Bauen und Wohnen neben den unbedingt notwendigen Energieeffizienzmaßnahmen vor allem darum, den Menschen ein behagliches und gesundes Wohn- und Arbeitsumfeld zu bieten. Immerhin bauen wir, um zu wohnen, und nicht, um zu sparen.