Der Sommer – Ferienzeit, Urlaubszeit. Wer eine Reise tut, der kann was erleben, weiß der Volksmund. Im Idealfall bezieht er sich dabei auf schöne Reiseerinnerungen, die bleiben, dazu kommt ein Erholungsfaktor. Aber nicht immer geht es so gut aus. Wer etwa nach Hause kommt und feststellt, dass in der Zwischenzeit dort eingebrochen worden ist, für den ist nicht nur der schöne Urlaubseffekt verpufft.

Es gilt also, das Eigenheim zu schützen. Oberrat Herwig Lenz ist Leiter des Präventionsteams im Bundeskriminalamt. Er konstatiert einen allgemeinen kulturellen Wandel. „In den 1970er-Jahren hat man Häuser oft noch unversperrt zurückgelassen, weil die Gesellschaft noch eine andere war. Dieses Bild hat sich heute stark geändert. Man muss deutlich mehr Maßnahmen treffen.“ Es werde Einbrechern oft viel zu einfach gemacht, sich Zutritt zu verschaffen.

Nachlässigkeit als Hauptproblem

Als Grundsatz empfiehlt der Experte, nicht nachlässig mit den Schutzmaßnahmen umzugehen. Das beginnt bereits beim Bau des Eigenheimes. „Die Menschen denken an Wärmeklassen, isoliertes Mauerwerk, modernde Schallschutzfenster, vergessen aber mechanische Elemente, die dem Schutz dienen.“

In ein Haus dringt ein Einbrecher am einfachsten über Türen und Fenster ein. Auch hier beginnt der Schutz bei einfachen Dingen: „Wenn ich das Haus verlasse, sollte ich die Tür nicht einfach nur ins Schloss fallen lassen, sondern sie auch versperren. Fenster sollten nicht gekippt bleiben, sondern verriegelt werden“, gibt der Profi einfache Tipps, die aber für einen Einbrecher die Schwierigkeit schon deutlich erhöhen.

Garten und Garage bei der Sicherheit mitbedenken

Klassische Schwachstellen sind besonders Fenster und Türen im Erd- und Dachgeschossbereich. Bei Wohnungen kommt nicht viel mehr dazu. Ein Einfamilien- oder Reihenhaus hat noch mehr Bereiche, die relevant sind. Ein weiteres Element kann die Gartengestaltung sein – wenn die Hecke hoch ist, dann hat man zwar mehr Privatsphäre. „Wenn ich für mich einen uneinsehbaren Bereich schaffe, dann bin dort auch nicht nur ich nicht sichtbar“, warnt Lenz. Das gibt einem Einbrecher deutlich mehr Zeit als gut ist, ohne dass es einem Nachbarn auffallen könnte.

Neben ebenerdigen Fenstern ist auch die Sicherung von Kellerfenstern oder einem Kellerschacht entscheidend. Dazu kommt eine Terrasse, wo viel zu oft die Tür weit weniger gesichert ist als die Eingangstür. „Wie ist der Zugang zum Parterre in den ersten Stock? Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten, Dachrinnen, ungesicherte Fenster über dem Garagendach?“, weist Lenz auf die vielfältigen baulichen Einrichtungen eines Einfamilienhauses hin, die zur Achillesferse werden können. Eine weitere Zugangsmöglichkeit bieten viele Häuser über die Garage selbst. Oft sind Tor oder Fenster unzureichend gesichert. Wenn die Garage dann über einen direkten Zugang ins Haus verfügt, hat ein Einbrecher leichtes Spiel.

Schwachstellen analysieren

Generalisieren sei aber nicht einfach, erläutert Lenz: „Durch den Umstand, dass die meisten Häuser recht individuell angelegt wurden, ergibt sich auch ein individuelles Gefahrenpotenzial“. Dieses Potenzial ermittelt allerdings die Polizei auf Anfrage kostenlos, ein Angebot, zu dessen Annahme der Fachmann dringend rät: „Die Schwachstellen müssen Punkt für Punkt analysiert werden. Ist das einmal erfolgt, hat man als Hausbesitzer auch gleich einen Leitfaden zur Hand, wo Handlungsbedarf besteht und welche Fragen man etwa vor einem Urlaubsantritt dringend klären sollte.“

Einbrecher lassen sich in verschiedene Typen einteilen. Hierzu wird in der Kriminologie entsprechend geforscht. Lenz fasst sie folgendermaßen zusammen: „Es gibt Einsteigtäter. Die finden irgendwo einen Stein, sehen ein leerstehendes Haus, schlagen die Scheibe ein und schauen, was sie finden. Hier macht die Gelegenheit den Täter. Das sind aber recht seltene Fälle, die man bereits mit einem Fenstergitter verhindern kann.

Profis das Arbeiten schwermachen

“Der bereits etwas weiter fortgeschrittene Täter kann etwa veraltete Schlosssysteme mit Nachsperrwerkzeug öffnen. „Dann gibt es die Möglichkeit, mittels eines Schraubenziehers ein Fenster auszuhebeln oder die Garagentüre zu knacken. Das ist schon ein etwas qualifizierterer Einbruch, weil er nicht unvorbereitet passieren kann – man muss ja wenigstens den Schraubenzieher dabei haben. Das ist aber der meistverbreitete Modus operandi.“

Darüber hinaus gibt es noch recht professionelle Methoden wie die des Fensterbohrers, aber auch da gibt es Sicherheitsvarianten zum Nachrüsten. „Wirkliche Profis haben auch Werkzeuge, mit denen sie elektronische Schließsysteme umgehen können. Gegen wirklich professionelle Täter kann man auch keinen hundertprozentigen Schutz finden“, warnt der Experte, weist aber darauf hin, dass es sich hier um eine recht geringe Zahl handelt: „Gegen die große Mehrheit der Einbruchsversuche kann man sich sehr wirksam schützen“.

Wertgegenstände und Internet als wesentliche Felder

Als Faustregel empfiehlt Herwig Lenz, immer darauf zu achten, dass man für die breite Masse der Täter die Schwelle möglichst hoch setzt: „Man sollte das Maximum des Möglichen für sich selbst herausholen, so dass man sagen kann: Ich habe für mich das beste getan, sodass meine Lebensqualität und meine Sicherheit bestmöglich im Einklang stehen."

Darüber hinaus sollte mit dem jeweiligen Versicherungsberater eine Vereinbarung getroffen werden – besondere Wertgegenstände sollte man aber nicht unbedingt im Eigenheim aufbewahren, sondern etwa bei einer Bank einlagern. „Wer einen Tresor zuhause hat, ist gut beraten, den im Mauerwerk zu verbauen und nicht lose im Wohnzimmer herumstehen zu lassen.“

Lenz, der auch im Europäischen Netzwerk für Kriminalprävention vertreten ist, befasst sich auch stark mit der Frage der Cybersicherheit. „Gerade bei den modernen Smart Homes bemerken wir, dass viele Menschen viel zu sorglos agieren. Natürlich ist es verlockend, über das Smartphone die Alarmanlage oder die Waschmaschine fernsteuern zu können. Aber das kann ein anderer dann vielleicht auch. Da muss man viel mehr an die Sicherheit denken, Codes regelmäßig ändern und so weiter. Da muss viel mehr Bewusstsein her – so wie in jedem anderen sicherheitsrelevanten Bereich.“