Microsoft-Gründer Bill Gates musste seinen Titel als reichster Mensch der Welt jüngst an Amazon-Boss Jeff Bezos abtreten. Den Titel des ersten Smart-Home-Besitzers kann ihm aber niemand mehr nehmen. Ende der 1990er-Jahre, als der Download eines einzelnen Songs aus dem Internet bis zu 20 Minuten dauern konnte, ließ sich Bill Gates einen digitalen Palast errichten.

Sieben Jahre währten die Bauarbeiten, bis Gates und seine Familie den Hightech-Traum im Jahr 1997 beziehen konnten. Das Haus, das nicht nur einen Namen – Xanadu 2.0 –, sondern auch einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, konnte sich dafür aber auch sehen lassen.

In den Gebäuden des riesigen Anwesens gibt es 24 Bäder, aber „nur“ sieben Schlafzimmer. Der Swimmingpool ist 18 Meter lang. Ein 230 Quadratmeter großer Fitnessraum gehört ebenso zu dem 6.100 Quadratmeter großen Anwesen wie ein sieben Meter hohes Trampolin-Zimmer.

Gästehaus als Testlabor für Smart-Home-Funktionen

Um die 60 Millionen US-Dollar soll Gates für den Bau seines Hauses ausgegeben haben. Mittlerweile ist die Gates-Villa, von der aus man einen schönen Blick über den Lake Washington hat, satte 180 Millionen US-Dollar wert. 100 der 300 Arbeiter, die an der Errichtung des Anwesens mitwirkten, waren übrigens Elektriker. Sie erfüllten Gates' Traum von einem smarten Zuhause. 

Im Pool befindet sich eine Unterwasser-Musikanlage, die die Schwimmenden mit ihrer Lieblingsmusik versorgt. Monitore und Displays im Wert von über 80.000 US-Dollar sind in dem gesamten Haus verbaut worden. Auf den teils riesigen Bildschirmen können Kunstwerke, Bilder oder künstliche Lagerfeuer angezeigt werden.

Die Speichermedien, auf denen die Bildersammlungen, Musik und vieles mehr abgelegt sind, sollen 150.000 US-Dollar wert sein – man kann sich ungefähr vorstellen, welche riesigen Datenmengen da gespeichert sein müssen. Freilich lassen sich auch Beleuchtung und Temperatur je nach Wunsch per Knopfdruck einstellen. 

Die beste Möglichkeit, die zahlreichen integrierten technischen Spielereien auszuprobieren, haben Besucher des Hauses. Beim Betreten der smarten Villa erhalten Gäste einen smarten Anstecker, der sie mit den digitalen Diensten verbindet, wie Gates in seinem Buch „The Road Ahead“ schreibt.

Das Haus soll so in der Lage sein, die speziellen Wünsche zu erfüllen und sogar vorauszuahnen – etwa entsprechend das Licht zu dimmen, passende Musik zu spielen und die Lieblingsbilder auf den Bildschirmen anzuzeigen. Die Grundeinstellungen wurden zunächst an einer Art Fernbedienung oder per Touch-Display eingestellt, mittlerweile dürften die Eingabegeräte von Smartphone-Anwendungen abgelöst worden sein.

Bill Gates ist Vorreiter für das smarte Zuhause

Was für Gates schon Ende der 1990er-Jahre Alltag war, zieht derzeit in die Haushalte vieler Menschen ein. Mit smarten Lautsprechern und digitalen Assistenten lässt sich etwa auf Zuruf Musik abspielen. Smart-Home-Geräte ermöglichen persönliche Einstellungen von Licht, Heizung oder den Lieblingssong zur Begrüßung, wenn ein Familienmitglied die Wohnung betritt.

Welche technologischen Vorreiter Gates mittlerweile verbaut, ist nicht bekannt. Der Microsoft-Gründer, der sich vor Jahren aus der aktiven Geschäftswelt weitgehend zurückgezogen hat, hält sich mit Informationen zurück.

Bekannt ist, dass sich Gates für den Bau einer ganzen Smart City einsetzt. Vor einem Jahr soll eine seiner Investmentfirmen in der Nähe von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona 100 Quadratkilometer Land für 80 Millionen US-Dollar gekauft haben. Geplant sind dort digitale Hochgeschwindigkeitsnetze, Rechenzentren, neue Fertigungstechnologien und Distributionsmodelle sowie autonome Fahrzeuge und Logistikzentren.

Hier konkurriert Gates mit den Erbauern der futuristischen Mega-Stadt Neom in Saudi-Arabien. In der geplanten Stadt in der Wüste soll ebenfalls nahezu alles automatisiert und IT-basiert ablaufen. Mal sehen, welche intelligente Stadt als erste fertig wird.