Beat (47), Daniela (35), Nick (8) und Nora (6) Lauber sind vor drei Monaten in ihr neues Smart Home eingezogen. Nora hat eine kongenitale Muskeldystrophie. Die Krankheit ist nicht heilbar, doch die Familie versucht, die Umstände so zu gestalten, dass Nora ein beinahe normales, altersgerechtes Leben möglich ist.

Daniela Lauber, wie macht ihr neues intelligentes Haus Ihren Alltag einfacher?

Unsere Tochter Nora ist muskelkrank. Weil sie dadurch nur wenig Kraft hat, kann sie keine normalen Lichtschalter bedienen, geschweige denn eine Tür öffnen. Im neuen Haus braucht sie bei diesen eigentlich alltäglichen Handgriffen keine Hilfe mehr – sie werden automatisch ausgeführt. Zusätzliche Lichtschalter befinden sich auf der Höhe von Noras Rollstuhl und funktionieren berührungslos. Ihre Zimmertüre geht automatisch auf und für die Haustüre hat Nora einen Batch mit Weitdistanzleser bei sich. Wenn sie damit auf die Haustüre zufährt, öffnet sich diese automatisch. Für die anderen Familienmitglieder haben wir einen Fingerleser eingerichtet.
Nora ist im Haus nun viel selbständiger. Nach dem Essen kann sie selbst die Badtür öffnen, den Wasserhahn betätigen und sich die Hände waschen. Sie kann spielen, wann und wo sie möchte, sie kann den Lift nehmen, wenn es sie blendet, kann sie die Rollläden herunterlassen. Im alten Haus musste sie immer vor der Haustüre hupen, wenn sie herein wollte, nun kann sie kommen und gehen, wann sie will. Sie muss uns nicht ständig um Hilfe bitten, das ist ein völlig neues Lebensgefühl für sie. Und auch eine extreme Erleichterung für uns. Ein gutes Beispiel dafür ist der Sonntagmorgen: jetzt können wir beim Kaffee auch mal sitzen bleiben.

Welche Technik steckt hinter ihrem Smart Home?

Wir haben uns für ein KNX-Bus-System entschieden, weil einem dieses die meiste Flexibilität lässt, auch hinsichtlich zukünftiger Wünsche und Änderungen. Man braucht dafür zwar einen Elektriker, aber das System ist grundsätzlich für alles offen. Wir haben Tablets, mit welchen wir unser Haus über eine App bedienen und verwalten – wie eine Fernbedienung, aber auf App-Basis. Jedes Familienmitglied hat ein Benutzerkonto. Mit einem Knopfdruck können verschiedene Szenarien angewählt werden. Abends beispielsweise genügt ein Befehl, um die Rollladen herunterzulassen, das Licht zu dämmen und die Stehlampe im Wohnzimmer anzuschalten. Auch Gäste können sich diese App auf ihre Smartphones oder Tablets herunterladen und dann über den Gästeaccount Räume im Haus ansteuern. Nun sind wir daran, einen Fernzugriff einzurichten. Wenn wir eine Lieferung erwarten und niemand zu Hause ist, dann könnte ich über das Tablet ganz einfach die Tür für den Lieferanten öffnen. Oder stellen Sie sich vor, ich würde im Lift stecken bleiben: dann könnte ich dem Lifttechniker per Tablet wenigstens die Haustüre öffnen. Doch wir brauchen nicht für alle Funktionen das Tablet, das normale Leben im Haus funktioniert auch ohne.

Wie sind sie denn darauf gekommen, sich ihr Haus als Smart Home zu bauen?

Wir hatten vorher schon ein Haus, ebenfalls mit zwei Etagen. Doch wir hatten Probleme damit, das Haus für Nora behindertengerecht umzubauen. Wir hatten mit sehr restriktiven Baubeschränkungen zu kämpfen und auch Probleme mit den Nachbarn, die sich dagegen sträubten, dass wir einen Lift einbauen. Wir mussten uns neu orientieren. Noras Krankheit ist fortschreitend, sie wird je länger sie lebt desto weniger Kraft haben. Wir wollten ihre zukünftigen Bedürfnisse abdecken. Mein Mann arbeitet im Technikbereich und hat öfter mit Automation Technology zu tun. Er kannte viele Sachen, die schon seit längerer Zeit in Bürohäusern umgesetzt werden und die wir nun für unser Haus benützt haben.

Stellt Sie das Smart Home auch vor Herausforderungen?

Es ist ein Computer dahinter, der manchmal auch unerklärliche Dinge macht. Wir hatten auch schon die Situation, mitten in der Nacht Licht im Kinderzimmer zu haben, das durch keinen Tastendruck wieder auszuschalten war. Kurz die Sicherung raus und wieder rein, und das Problem war gelöst. Im Falle eines Stromausfalls haben wir auch gewöhnliche Schlüssel, um die Haustüre aufzuschließen. Und für den Notfall, etwa wenn es brennen sollte, verfügen die elektrischen Türen über eine Notentriegelung. Für uns bewährt sich das System sehr gut. Ich stelle fest, dass viele Leute, wenn sie umbauen – auch weil das Kind behindert ist – diese einfachen Steuerungselemente wie etwa die berührungslosen Lichtschalter nicht kennen. Dabei könnten diese Lösungen die betroffenen Personen sehr entlasten.