DI Franziska Trebut
Bereichsleitung Energie und Innovatives Bauen, ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik

Dem Bauen und Wohnen werden von Politik und Gesellschaft gleichzeitig wesentliche Lösungspotenziale für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie Klimawandel und Erderwärmung, Endlichkeit von Energiereserven, Ressourcenknappheit, Zuwanderung und Stadtwachstum zugeschrieben. Smarte Städte, Siedlungen und Wohnungen wurden und werden umrissen, um den Rahmen für nachhaltiges Zusammenleben zu bauen: Smartness - Intelligenz ist ein wichtiger Ansatz und gleichzeitig ein vielfach strapaziertes Modewort.

Ressourcen schonen

Wie bauen und beleben wir Räume, in denen eine zunehmend differenzierte, bunte Vielfalt Menschen im konstruktiven Austausch miteinander leben kann? Wie planen wir mit Beteiligung von NachbarInnen und zukünftigen BewohnerInnen Lebensqualität von Anfang an? Wie erleichtern wir die Übernahme von Verantwortung füreinander und selbstbestimmtes Miteinander durch Räume, Gebäude, Plätze? Welche Wohnträume können und wollen wir langfristig leben? Wie viel Wohnraum pro Kopf und wie viele Einfamilienhäuser wollen wir uns angesichts der Endlichkeit von Flächen, Ressourcen und stetig wachsendem Verkehr leisten? Wie können der verdichtete Wohnbau zur Regel und die Sanierung von Einfamilienhäusern eine echte Alternative zum kleinteiligen Neubau werden? Langfristig muss es uns gelingen, für das Bauen und Wohnen deutlich weniger Ressourcen und Energie zu verbrauchen und gleichzeitig am Gebäude Energie und im Gebäude ein gesundes Wohlfühlklima zu erzeugen. Im Wettstreit der Ideen und Technologien braucht es Offenheit für verschiedenste Lösungsansätze der Verbrauchsminimierung und Gewinnmaximierung. Hier gilt es, je nach örtlichen Gegebenheiten die Alternativen an Baustoffen, Konstruktionsarten, Haustechniksystemen sowie der Nutzung und Erzeugung erneuerbarer Energien kritisch gegeneinander abzuwägen und dabei möglichst auch produktunabhängige Fachleute einzubeziehen.

Energiebilanz muss passen

Bauen ist ein komplexer Prozess und es gibt nicht nur einen Weg zum Ziel des nachhaltigen Wohntraums. Den wenigsten Baustoff-, Material- und Planungskomponenten kann per se ein eindeutiger Vorzug vor den anderen gegeben werden. Die Wohnmaschine ist ebenso wenig die alleinige Heilsbringerin wie die gebaute Negation von Technik. Und auch nachwachsende Rohstoffe sind nicht immer automatisch die bessere Wahl.

„Wer nachhaltiges Wohnen ernst meint, wird sich auch Gedanken über Mobilität und Konsum machen.“

Es ist notwendig, über die gesamte Lebensdauer Ressourcen, Kosten und Umweltwirkungen für die Errichtung, den Betrieb sowie Rückbau und mögliche Entsorgung zu bilanzieren. Passiv- Plus-, Aktiv- und Niedrigst-energiehäuser – sie alle benötigen jedenfalls eine kompetente Begleitung durch BeraterInnen, ArchitektInnen und FachplanerInnen von der Projektanbahnung über Planung und Ausführung bis zur Betriebsoptimierung zumindest in den ersten 1-2 Jahren der Nutzung.

Energieerzeugung soll nachhaltig sein

Geht es um Energie, Ressourcen und Kosten – ergo auch um Leistbarkeit von Gebäuden und Wohnungen – so wird bei fortschreitender Entwicklung der technischen Gebäudekomponenten jener Anteil am Ressourcenverbrauch relativ steigen, der durch gebäudebezogenen Flächenbedarf und Verkehr entsteht. Wer leistbares Wohnen fordert, sollte daher kreative Lösungen für weniger Raumverbrauch suchen. Wer Gebäude zu Kraftwerken machen will, muss sie auf der Siedlungsebene im Verbund mit anderen Gebäuden und einer nachhaltigen Energieerzeugung denken. Wer nachhaltiges Wohnen ernst meint, wird sich auch Gedanken über Mobilität und Konsum machen.

Ich wünsche lustvolles, intelligentes Planen, Umsetzen und Nutzen unserer Wohnträume: Bleiben wir offen für Neues.