Viele Menschen träumen vom Eigenheim. Während die meisten dafür aber Profis zuziehen und sich ein Haus bauen lassen, legen Sie selber Hand an. Was ist Ihre Motivationsquelle?

Die meisten Häuser sind für mich ein Konglomerat aus Hohlräumen. Sie entsprechen nicht meinen Vorstellungen und Bedürfnissen. Ein Beispiel hierfür sind die Lichtschalter. In meinem Haus sind diese höher angebracht, damit ich sie nicht versehentlich berühre. Zudem ist meine Terrasse uneinsehbar und ich habe keine Stufen. Obwohl ich keine Angst vor Treppen habe, wurde so gebaut, dass ich zuhause niemals eine runterfalle.

Als ich mit der Planung begonnen habe, wusste ich auch, dass ich mir so ein Haus niemals leisten könne, wenn ich es mir nicht baue. Am Ende des Tages auf das Ergebnis zu blicken und zu fühlen, dass man das allein geschafft hat, ist für mich die größte Motivation. Wenn dieses Haus fertig ist, habe ich mir zudem ungefähr eine Million Euro durch mein eigenes Handwerk gespart. Das motiviert zusätzlich.

Wie konnten Sie Ihre Vorstellungen entsprechend artikulieren, als sie Ihr Haus geplant haben?

Zu Beginn habe ich auf Spanplatten im Maßstab 1:10 mein Traumhaus abgebildet. Später baute ich ein entsprechendes Modell im Maßstab 1:50. Davon ausgehend zeichnete ein Architekt dann die Baupläne. Prinzipiell hatte ich bei der Planung und beim Bau nicht allzu viel Hilfe. Bis auf die Außen- und Innenwände, die Betondecke und den Balken vom Dachstuhl habe ich alles selbst gemacht. Ich habe beispielweise 320 m2 Innenwände gemauert, einen Kilometer Elektroleitungen verlegt und die Wasserleitungen installiert. Dabei würde mir oft gesagt, dass ich genauer arbeite als ein gelernter Handwerker.

Woher nehmen Sie dieses Know-how?

Ich habe eine Zeit lang bei meinem Onkel in einer Metallgießerei gearbeitet und anschließend Wohnungen ausgebaut. Diese Tätigkeiten haben mir sicher dabei geholfen, Fertigkeiten rund um den Hausbau zu erwerben. Trotzdem ist learning by doing meine Hauptdevise.

Dabei arbeite ich aber nicht wie ein normaler Handwerker, sondern mit eigens entwickelten Hilfsmitteln. Mittel und Wege für blinde Hausbauer sozusagen. Es ist aber dennoch wichtig, sich einzulesen und ausreichend zu studieren, um anschließend probieren zu können. Man muss wissen, was man tut.

Aus diesem Grund hatte ich bis dato noch keine schweren Unfälle, da ich weiß, wie ich mich situationsgerecht verhalten muss. Ich habe auch keine Angst vor Verletzungen. Ich fürchte nicht die Möglichkeit, vom Dach zu fallen, sondern vielmehr die Folgen eines Absturzes. Wo andere im Krankenhaus landen, lande ich vielmehr im Guinness Buch der Rekorde.

Gab es dennoch Hürden, die zu nehmen für Sie nicht einfach waren?

Die größte Schwierigkeit für mich war sicherlich das schräge Schneiden der Schindeln für die Dachkehlen. Bei meinem u-förmigen Haus waren das 120 durchlaufende Meter. Aber auch diese Hürde konnte ich mit den richtigen Hilfsmitteln gut meistern. Ich bin nämlich zuallererst Kopfwerker, dann Handwerker. Und prinzipiell ist ein Handwerk ja nur die Folge von logischem Denken. Ich setzte mich auch nicht unter Druck bei der Fertigstellung meines Hauses, denn dadurch passieren nur Fehler. Wenn ich fertig bin, bin ich fertig.

Welche Tipps haben Sie für diejenigen, die auch ein eigenes Haus bauen wollen?

Von einem völlig neuen Hausbau würde ich wahrscheinlich abraten. Ohne die Erfahrungen, die ich in der Metallgießerei und beim Ausbau von Wohnungen gemacht habe, wäre dieses Unterfangen auch für mich nicht möglich gewesen. Bei einer größeren Renovierung ist es aber wichtig, sich entsprechend schlau zu machen. Wie arbeitet ein Maurer, ein Zimmermann, ein Dachdecker? Welche Materialien benötige ich, wie sind die richtigen Mischverhältnisse?

Was würden Sie Ihnen als Motivationstrainer raten?

Ein eigener Hausbau ist zuallererst eine Frage der Prioritäten. Wenn man sein Traumhaus haben möchte, muss man beispielsweise auch einmal auf Urlaub verzichten. Dafür sieht man aber am Ende des Tages, wozu man mit seinen eigenen Händen fähig ist. Das steigert nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch die Leistungsfähigkeit.

Prinzipiell ist es natürlich wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben. Auch die Geschichte zeigt immer wieder, dass mit der richtigen Denkweise das Unmögliche möglich wird. Wenn die Menschheit mittlerweile zum Mars fliegt, kann auch ein Blinder ein Haus bauen. Ich bin das beste Beispiel dafür.