Mag.Christian Weinhapl
Präsident des österreichischen Verbandes der Ziegelwerke

„Ich bin ein Ziegelfan durch und durch“, betont Christian Weinhapl gleich zu Beginn des Gesprächs. Natürlich, denkt man sich, kann das gar nicht anders sein. Schließlich ist Weinhapl Präsident des Verbands Österreichischer Ziegelwerke. Jedoch werden bei genauerer Betrachtung auch für den Normalverbraucher und klassischen „Häuslbauer“ die Argumente für die hohe Qualität und Nachhaltigkeit des Ziegels klar erkennbar. Alleine bei der Betrachtung der Grundkomponenten zeigt sich: seit 5.000 Jahren gehören Ton und Wasser zu den Basiselementen des Ziegels.

Seit Jahrtausenden fühlen sich die Menschen zwischen Ziegelwänden sicher und wohl. Ziegel enthält keine Schadstoffe, lässt sich wiederverwenden und erfüllt über einen langen Zeitraum von bis zu 150 Jahren seine Grundfunktionen. Der Ziegel bildet das sprichwörtliche Fundament einer wertebeständigen Immobilie. „Auch wenn wir die Produkte stetig weiterentwickelt haben, so sind die Grundelemente immer die gleichen geblieben“, betont Weinhapl. Dies mache den Ziegel so einzigartig

 

Nachhaltigkeit steht im Fokus

Warum der Ziegel auch höchsten (Komfort-)Ansprüchen gerecht wird, macht Christian Weinhapl am Beispiel Energieeffizienz fest. Mittlerweile verfügen selbst einschalige Ziegel über einen ausgezeichneten Wärmeschutz – und das ohne Zusatzdämmung. Die sogenannten „Planziegel“ bieten neben der wirtschaftlichen Verarbeitung, hochwertige baupyhsikalische und baubiologische Eigenschaften und schaffen optimale Voraussetzungen für das ideale Raumklima - zu jeder Jahreszeit. Aktuell wurden beispielsweise innovative Lösungen mit Mineralwolle verfüllten, hochwärmedämmenden Hintermauerziegeln geschaffen.

„Der Ziegel erfüllt immer seine Anforderungen“, ist sich Weinhapl sicher. Das Bestreben des Menschen, alle technischen Möglichkeiten weitestmöglich auszureizen, sei im Bezug auf den Gebäudebau jedoch nicht zielführend: „Ist es wirklich klug, so viel Hightech in ein Gebäude zu stecken, wenn ich dann später drauf komme, dass diese in zehn Jahren vielleicht nicht mehr dem Stand der Dinge entspricht und ich alles austauschen muss?“, stellt Weinhapl den Trend zur übertriebenen Technologisierung im Immobilienbereich in Frage. Nachhaltigkeit bei einem Gebäude bedeute deshalb oftmals: „Weniger ist mehr“.

All die Zusatz-Tools wie Wärmepumpen, Wohnraumlüftungen usw. laufen mit Strom, verbrauchen also Energie. „Brauchen wir wirklich Wundermaschinen beim Hausbau?“, fragt sich Ziegel-Fan Weinhapl. Vernünftige Fenstergrößen, richtige Wandstärken oder ein optimaler Dachvorsprung sorgen oft bereits in der Planung für eine ebenso hohe Energieeffizienz und Nachhaltigkeit wie ausgefeilteste Techniken.

 

Langlebig und wiederverwendbar

Wie sieht die Zukunft der massiven Ziegelbauweise aus? Im Bezug auf die Energieeffizienz ist der Ziegel bestens für die Zukunft gerüstet. Selbst im Passiv – und Niedrig(st)-energiehaus wird der Baustoff gut und gerne eingesetzt. Entscheidender ist für den Ziegel-Experten Christian Weinhapl jedoch die Frage: In welchen Zeithorizonten wird ein Baustoff als wirklich ökologisch nachhaltig eingestuft? Denn auch wenn bei der Produktion des Ziegels der Energieeinsatz unvermeidbar ist, so gleicht sich dies durch seine Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit – Stichwort „Lifecycle-Betrachtung“– langfristig wieder aus.

Weinhapl verweist auch auf den geringen CO2-Ausstoss der Ziegelindustrie mit einem Anteil von nur 0,3 Prozent am jährlichen Kohlendioxid-Aufkommen in Österreich. „Ein einziger Airbus A 380 verursacht in einem durchschnittlichen Flugjahr mehr CO2-Emissionen als alle Ziegelwerke in Österreich zusammen“. Man kann sagen: Oft entscheidet die Betrachtungsweise über die Beurteilung der maßgeblichen ökologischen Kennwerte. Manchmal genügt sogar der einfache Hausverstand...