Mag. Christian Murhammer, MAS
Geschäftsführer Österreichischer Fertighausverband

Was macht das Fertighaus so besonders im Vergleich zu anderen Häusern?

Man bringt nicht einzelne Materialien, sondern vorgefertigte, großflächige Wand-, Decken- und Dachelemente auf eine Baustelle. Diese Idee ist nicht neu, es gibt Vorbilder vom alten Griechenland bis über Leonardo da Vinci, der ein vorgefertigtes Bürgerhaus entwickelte. Heute geht es vor allem darum, die Produktionsphasen unter idealen Bedingungen ablaufen zu lassen. Die Fertigung findet eben nicht vornehmlich am Bau, sondern in Werkshallen und daher unter den besten Produktionsbedingungen statt. Der Unterschied liegt also in der Fertigung, nicht im Endprodukt.

Worin liegt seine Nachhaltigkeit?

Die Art der Fertigung erlaubt einen höheren Grad an Effizienz. Die graue Energie, die in einem Gebäude steckt, lässt sich dadurch minimieren. Das ist jener Energieaufwand, der zur Herstellung der Baumaterialen, zur Montage, Transport, usw. benötigt wird. Ein Einfamilienhaus passt in dieser Fertigungsweise zum Beispiel auf zwei LKW und das erspart unzählige Fahrten zur Baustelle. Hinzu kommt auch noch, dass die meisten Fertighäuser in Holzrahmenbauweise gefertigt werden. Holz ist als nachwachsender Rohstoff ein CO2-Speicher und kann recycelt werden. In einer gesamtökologischen Bewertung schneidet das Fertighaus nicht schlecht ab. Auch aus unternehmerischer Sicht macht das Sinn. Der hohe Vorfertigungsgrad erlaubt es, die Montagestunden außer Haus, die ein wichtiger Kostenfaktor sind, gering zu halten.

Wie lang ist der Lebenszyklus eines Fertighauses?

Laut der Holzbaunorm müssen Gebäude in Holzbauweise bei entsprechender Wartung und Pflege eine Lebensdauer von 100 Jahren erfüllen. Das erste Fertighaus wurde in Österreich im Jahr 1910 in Echsenbach im Waldviertel errichtet. Seit der Besichtigung durch Kaiser Franz Josef, von der es ein Foto gibt, ist schon etwas Zeit vergangen, es steht aber noch immer und ist nach wie vor bewohnt.

Wo liegen die Vorteile für die KundInnen?

Den größten Vorteil sehe ich im Projektmanagement. Normalerweise gibt es viele Handwerker und damit Ansprechpartner auf einer Baustelle. Bei einem Fertighaus tritt der Hersteller dagegen als alleiniger Ansprechpartner auf und übernimmt diese Koordinationstätigkeit. Man gibt bei einem Hersteller ein Haus in Auftrag und der gewählte Leistungsumfang wird zur Gänze von diesem abgewickelt. Beauftragt werden kann jede heute gängige Ausführung des Hauses, so z.B. Niedrigenergie- oder Passivhaus, barrierefreies Gebäude oder Smart Home. Noch zur Auswahl stehen die Leistungsstufen: Ausbauhaus, belagsfertig oder schlüsselfertig. Die Mitglieder unseres Verbandes verpflichten sich überdies zu einer zwölfmonatigen Fixpreisgarantie. Das erleichtert die Finanzierung. Und natürlich gibt es auch eine Zeitdimension. Die Planungsphase dauert bei einem Fertighaus genauso lange, wie bei einer herkömmlichen Bauweise, die Errichtung geht dann aber zügiger vonstatten.

Wie sieht die Zukunft des Fertighauses aus?

Ein großes Thema ist generationenspezifisches Wohnen. Die Anforderungen, die Menschen an das Wohnen stellen, ändern sich ja mit den Lebensphasen und -umständen. Das Haus sollte sich daher an das Lebensumfeld anpassen lassen. Die Frage lautet also: Wie können Häuser flexibler werden? Im Moment werden erste Ideen und Konzepte dazu entwickelt. Es wird zum Beispiel an ausklappbaren Räumen geforscht, es werden aber auch modularisierte und daher leicht andock- oder aufstockbare Wohneinheiten entwickelt. Bereits jetzt gibt es viele Konzepte, die versuchen, einen künftigen Ausbau in der Grundplanung zu berücksichtigen.